Das Magazin aus der FW-Landtagsfraktion
Roland Weigert, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes
Folgen Sie uns auf...

Meinung

Bäume nicht mit der Büchse retten!

Unsere Wälder sind in Not: Dürre, Unwetter und Schädlinge setzen Bayerns grüner Lunge bereits seit Jahren erheblich zu. Um insbesondere junge Bäume zu schützen, wird eine Forderung deshalb immer lauter: Jäger sollen häufiger zur Büchse greifen. Denn Wildarten wie Reh, Gams und Hirsch fressen mit Vorliebe die Triebe junger Buchen und Tannen – doch gerade die sind für den Waldumbau hin zu klimatoleranten Wäldern besonders wichtig. Aber müssen wir tatsächlich den Schalenwildbestand noch weiter senken, um unsere Wälder zu schützen?

Unsere klare Antwort lautet: Nein! Denn eine weitere Intensivierung der Jagd – und damit ein noch stärkeres Eingreifen in das ohnehin sensible Ökosystem Wald – entspricht nicht dem Zeitgeist von Natur- und Klimaschutz. Unser Wild braucht möglichst ungestörte, wildgerechte Rückzugsmöglichkeiten – gerade jetzt, wo es immer mehr Erholungssuchende in die Natur zieht. Nur wenn diese Rückzugsräume erhalten bleiben, können sich auch noch nachfolgende Generationen an den Wildtieren erfreuen. Hinzu kommt, dass zu hoher Jagddruck gerade in den kälteren Monaten zu erhöhtem Nahrungsbedarf führt und damit das Gegenteil des Bezweckten bewirkt: Es kommt zu zusätzlichen Verbiss-Schäden im Wald.

"Jäger sind auch für das Wohl der Wildtiere zuständig."

„Tierwohl bezeichnet die Gesundheit und das Wohlbefinden von Tieren. Doch gesund und wohl fühlen sich gerade unsere Wildtiere nur dann, wenn sie nicht ständig gestresst werden. Kein Hase, kein Fasan und kein Reh fühlen sich wohl und können in Frieden leben, wenn sie ständig Angst haben müssen, aufgescheucht zu werden. Sie wollen in Ruhe fressen, ruhen oder ihre Jungen großziehen."

Als Jäger sind wir auch für das Wohl der Wildtiere zuständig – und die Entwicklung der vergangenen Monate betrachten wir mit Sorge. Das vergangene Jahr und die vergangenen Monate des Lockdowns waren wahrlich keine Freude für unsere Wildtiere: So verständlich es ist, dass es die Leute hinaus in die schöne bayerische Natur treibt, so brutal ist es für die Wildtiere, wenn durch ihre Wohn- und Schlafzimmer bei Tag und bei Nacht Menschen samt Haustieren ziehen.“

Roland Weigert, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes

Problematisch wird es vor allem, wenn eine Überjagung die Wildtierpopulationen gefährdet. Die Dauer der Jagd ist gesetzlich geregelt und die Abschusszahlen werden anhand eines forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung alle drei Jahre festgelegt – und das ist auch gut so. Nur so kann den waldbaulichen Anforderungen aus der Forstwirtschaft Rechnung getragen und gleichzeitig das Fortbestehen gesunder Wildtierpopulationen gewährleistet werden. Dazu gehören auch die Wahrnehmung des Muttertierschutzes und die Jagd unter Berücksichtigung der Sozialstrukturen des Wildbestandes. Werden diese roten Linien überschritten, werden die natürlichen Lebensweisen gestört, was zu enormem Stress für die Wildtiere und in der Folge zu erhöhtem Verbiss führen kann.

Auch im Sinne der Waidgerechtigkeit sprechen wir als FREIE WÄHLERFraktion uns klar gegen eine weitere Intensivierung der Jagd aus. Denn neben der Berücksichtigung der forstwirtschaftlichen Belange muss der Erhalt gesunder und artenreicher Wildbestände oberstes Ziel bleiben. Schalenwild ist ein wichtiger Teil des natürlichen Gleichgewichts innerhalb des Ökosystems Wald und ein landestypisches Aushängeschild für unseren Freistaat.


Folgen Sie uns auf...

Das könnte Sie auch interessieren:


Ähnliche Themen