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„Früher konnte ein Antisemit in seinem privaten Umfeld vielleicht 20 Leute erreichen, heute im Internet erreicht er Tausende."
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Interview mit Florian Streibl

„Die Shoah hat nicht in Auschwitz begonnen“

Die FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion hat dem Antisemitismus in Bayern den Kampf angesagt. Im Interview erklärt Fraktionschef Florian Streibl, warum ihm und seinen Fraktionskollegen das Thema so wichtig ist. 

Herr Streibl, gemeinsam mit den demokratischen Fraktionen im Landtag haben Sie eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet. Die Initiative dazu ging von Ihnen aus – warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

Zum einen tragen wir eine historische Verantwortung: Durch Deutschland ist vielen Ländern und Völkern unendliches Leid widerfahren. Es ist deshalb unsere besondere Pflicht als Deutsche, unsere Stimme gegen Rassismus und Menschenverachtung zu erheben. Zum anderen bemerken wir einen neu aufkeimenden Antisemitismus, dem es mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten gilt. 

Es gibt in Teilen der Bevölkerung aber auch den Wunsch, einen Schlussstrich unter die Geschichte der Shoah und des Nationalsozialismus zu ziehen. Wie sehen Sie das? Sind Gedenktage wie der 9. November oder der 27. Januar noch zeitgemäß?

Ich halte das Gedenken an die Shoah für extrem wichtig, weil wir es den Opfern schuldig sind, die unermesslichen Gräueltaten der NS-Diktatur nie zu vergessen. Zudem tragen wir Nachgeborene die besondere moralische Verantwortung dafür, dass sich Weltkrieg und Holocaust niemals wiederholen. Wir brauchen aber auch andere Formen des Erinnerns, um die jüngere Generation anzusprechen und all jene, die erst vor einigen Jahren zu uns gekommen sind, entweder als Migranten oder als Flüchtlinge. 

„Früher konnte ein Antisemit in seinem privaten Umfeld vielleicht 20 Leute erreichen, heute im Internet erreicht er Tausende."

Nimmt der Antisemitismus in Deutschland denn wirklich zu? Oder nehmen wir ihn nur deutlicher wahr?

Antisemitismus hat es auch nach 1945 immer gegeben. Doch im Gegensatz zu früher ist mittlerweile die Hemmschwelle gesunken, antisemitische Überzeugungen offen kundzutun und Dinge zu behaupten, die früher undenkbar gewesen wären, auch im politischen Diskurs. Zu dieser Verrohung hat vor allem die AfD beigetragen – und die neuen Medien spielen ihr in die Hände. Früher konnte ein Antisemit in seinem privaten Umfeld vielleicht 20 Leute erreichen, heute im Internet erreicht er Tausende. 

Warum hält sich Antisemitismus so hartnäckig in unserer Gesellschaft? Was können wir tun?

Judenhass und Judenfeindlichkeit gehen häufig mit Verschwörungsmythen und diffusen Ängsten vor dem vermeintlich Fremden einher, weshalb es so schwierig ist, nur rational gegen Antisemitismus vorzugehen. Entscheidend ist, frühzeitig und in breitem Umfang mit Aufklärung und Bildung, aber auch mit Empathie gegenzusteuern, damit sich antisemitische Überzeugungen gar nicht erst festsetzen. Den Schulen und Kitas, aber auch anderen Bildungseinrichtungen, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Was können wir noch tun?

Die Bundeswehr hat seit Kurzem erstmals einen Militärrabbiner – ich könnte mir auch gut einen Polizeirabbiner für unsere Bayerische Polizei vorstellen. Aber nicht nur der Staat als Souverän, sondern jeder einzelne Bürger ist gefragt. Die Shoah hat nicht in Auschwitz begonnen. Deshalb müssen wir alle wachsam sein und dürfen uns nicht scheuen, unsere Stimme zu erheben. 

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