Die Mutter aller Krüge
Warum heißt die bayerische Maß eigentlich Maß? Wieso hat sich ihr Volumen im Laufe der Jahrhunderte verändert? Und was hat das eigentlich mit einer bayerischen Behörde zu tun? Antworten darauf kann Stefan Thums geben, der sich als Leiter des Bayerischen Landesamts für Maß und Gewicht quasi von Amts wegen intensiv mit dem Trinkgefäß beschäftigt. Bei einem Austausch hat unser Fraktionsvorsitzender Florian Streibl viel über die Behörde, aber auch die Geschichte des Bierkrugs erfahren – und die ist durchaus bemerkenswert.
Aber beginnen wir am Anfang: Der Aufstieg des Bieres beginnt im Mittelalter, als erstmals die gesundheitsfördernde Wirkung des mit Würzzutaten angereicherten Getränks propagiert wurde. Hildegard von Bingen lobte etwa, dass Bier die Muskeln wachsen lasse, eine schöne Gesichtsfarbe mache, die Laune hebe und deshalb die Seele stärke. Zunächst wurde das Gebräu in Humpen serviert, deren Größe variierte. Eine Maß in Lauenstein in Oberfranken entsprach 0,5 Liter, eine Maß in Laufen in Oberbayern fasste hingegen 1,6 Liter.
Erst Maximilian von Montgelas, der als „Reformminister“ in die Geschichte einging, bereitete diesem Flickenteppich im Jahr 1809 ein Ende. Begründung: Die unterschiedlichen Volumina schadeten dem Verzehr im Inland ebenso wie dem Export ins Ausland. Und so verordnete er, dass eine Maß fortan genau 1,069 Liter fassen möge. Damit jede Stadt, jeder Markt und jedes Landgericht im Königreich künftig die richtige Menge ausschenkte, ließ von Montgelas eine „Muttermaß“ versenden – ein Messzylinder aus Kupfer, darauf das Staatswappen und die Jahreszahl 1809. So weit zur Geschichte hinter unserem Foto.
Das Bayerische Amt für Maß und Gewicht ist aber weit mehr als Anekdotenlieferant für historische Kuriositäten. Die Landesbehörde ist zuständig für das gesetzliche Mess- und Beschusswesen und betreibt unter anderem klimatisierte Labore, in denen hochpräzise Waagen arbeiten – nicht nur für Apotheken, sondern auch für den Edelmetallhandel. So stellt die Behörde sicher, dass Messgeräte im geschäftlichen und amtlichen Verkehr die Anforderungen des Mess- und Eichgesetzes erfüllen. Kurzum: Das Amt ist der Ansprechpartner für richtiges Messen im Freistaat.
Als Fußnote sei dem aufmerksamen Leser noch mitgegeben, dass der heutigen Maß deshalb 69 Milliliter zur Urmaß fehlen, weil mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 die Einführung einheitlicher Regeln unumgänglich wurde – auch, was den Ausschank von Bier betraf. Und so ersetzte der deutsche Liter des Dezimalsystems fortan die bayerische Maß, übrigens sehr zum Verdruss der Bayern.