Es ist gut, dass Yad Vashem nach München kommt
Bayerns Bewerbung um die Errichtung eines Yad Vashem-Bildungszentrums in München war erfolgreich. Wir finden: Diese Entscheidung ist ein starkes Zeichen des Dialogs und der Solidarität und ein wichtiger Beitrag zur europäischen Erinnerungskultur und im Kampf gegen Antisemitismus.
Im letzten Jahr wählte die Internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem nach einer bundesweiten Machbarkeitsstudie drei potenzielle Standorte für die Errichtung eines Holocaust-Bildungszentrums in Deutschland aus. Die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen wurden von Yad Vashem als mögliche Orte für das erste Bildungszentrum außerhalb Israels benannt. Im Dezember sprach sich der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags mehrheitlich für Bayern als Standort aus, nachdem zuvor ein entsprechender Gemeinschaftsantrag aller demokratischen Fraktionen eingereicht worden war. Ende Mai dann endlich die Entscheidung: München hat sich im Wettbewerb durchgesetzt.
Als Vorsitzender der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion, aber auch ganz persönlich, freue ich mich über die Maßen, dass die angekündigte deutsche Außenstelle der weltgrößten Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nach München kommen wird. München trägt im Kampf gegen Antisemitismus und als Ort der Erinnerungskultur eine besondere Verantwortung: Von hier aus startete Adolf Hitler seine NS-Diktatur und später den staatlich organisierten Massenmord an rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden – nirgendwo sonst wäre eine Bildungseinrichtung zur Mahnung an die Schrecken des Holocaust und in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus besser aufgehoben.
Mir ist es daher ein besonderes Bedürfnis, der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem für das entgegengebrachte Vertrauen zu danken. Auch der gesamten Staatsregierung gebührt Dank für die gemeinsame Kraftanstrengung, Yad Vashem von den herausragenden Standortbedingungen in Bayern zu überzeugen. Mit diesem bayerisch-israelischen Schulterschluss setzen wir ein starkes Zeichen des Dialogs und der Solidarität, für die Stärkung der Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus.
Wie wichtig das ist, belegen aktuelle Zahlen: Rund 40 % aller Deutschen wissen heute nicht mehr, dass sechs Millionen Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Es ist aber unser aller Pflicht, die Erinnerung an die Schrecken des NS-Regimes wachzuhalten, damit sich solche Gräueltaten nie wiederholen. Deshalb ist es gut, dass das israelische Yad Vashem seine Erfahrung als Forschungs- und Bildungseinrichtung erstmals in einem Bildungszentrum außerhalb Israels einsetzen will und dazu München erwählt hat.
