Besonders das Ungleichgewicht und die ungerechte Benachteiligung von zuzugsstarken Bundesländern muss beendet werden. Es kann nicht sein, dass für Familien in Bayern dieselben Freibeträge gelten wie in anderen Bundesländern. Denn die Erbschaftsteuer orientiert sich bei Grundstücken und Immobilien am sogenannten Bodenrichtwert, welcher je nach Lage und Nutzbarkeit variiert. Demnach müssen Erben in begehrten Regionen auch eine wesentlich höhere Steuerlast tragen.

Wer zum Beispiel eine kleine Immobilie in München erbt, überschreitet schon leicht den gesetzlichen Steuerfreibetrag. In vielen Fällen muss das Erbe dann verkauft werden, weil die Erbschaftssteuer sonst nicht beglichen werden kann. Doch auch andernorts schießt der Bodenrichtwert ungebremst in die Höhe. Die Folge: Immer mehr Menschen in Regionen mit hohen Grundstückswerten müssen bei Erbschaft ihr Elternhaus verkaufen, weil die Freibeträge nicht ausreichen und Erbschaftsteuerzahlungen in Höhe von Hunderttausenden von Euro anfallen, obwohl das Haus oftmals sanierungsbedürftig ist.

Deshalb ist es höchste Zeit, dass auch Deutschland nach dem Vorbild von Schweden und Österreich, die beide mit der Abschaffung der Erbschaftsteuer beste Erfahrungen gemacht haben, die Bürger entlastet – auch vor dem Hintergrund, dass ohnehin immer weniger Menschen in Deutschland ein privates Haus haben, weil alles zu teuer wird. Und das bei einer im europäischen Vergleich unterdurchschnittlichen Eigenheimquote! Zudem ist Erbschaft bereits versteuertes Vermögen; die Erbschaftsteuer ist nichts mehr als eine Spielart der zurecht bereits abgeschafften Vermögensteuer und bestraft all jene, die ihr ganzes Leben über gearbeitet und gespart haben.

Doch es gibt weitere Gründe, die für eine vollständige Abschaffung sprechen: Die Regelung benachteiligt diejenigen, die das Erbe fortführen wollen. Häuser, die sich möglicherweise über Generationen im Familienbesitz befunden und zwei Weltkriege überstanden haben, wechseln zwangsweise den Besitzer – und gehen nicht selten an ausländische Investoren. Handelt es sich um Mehrfamilienhäuser, werden auch die Mieter zu Leidtragenden: Denn ist das sozial verträglich vermietete Haus erst ein mal verkauft, ist die Mieterhöhung meist nur eine Frage der Zeit.

Die Erbschaftsteuer darf nicht länger diejenigen bestrafen, die bereits versteuertes Einkommen in Eigentum investiert haben. Wer sein Leben lang spart und für seinen Ruhestand vorsorgt, von dessen Lebensleistung darf nicht am Ende der Staat profitieren.  Vielmehr müssen seine Lebensleistung und sein Eigentum geschützt werden – und das gelingt nur über die vollständige Abschaffung der Erbschaftsteuer.